Ostermarkt im Napoleon- und Stadtmuseum
Ein farbenfrohes Fest des Handwerks beim Ostermarkt im Napoleon- und Stadtmuseum Am 1. und 2.…
Die Gründung des ersten Heimatmuseums in Deutsch-Wagram wurde 1959, anlässlich der 700-Jahr-Feier der damaligen Marktgemeinde und heutigen Stadtgemeinde Deutsch-Wagram, unter der Leitung von Hauptschuldirektor SR Prof. Otto Schilder vollzogen. Das Museum fand seinen Platz in den Räumlichkeiten der ehemaligen Dienststelle des Roten Kreuzes in der Bahnhofstraße, dem heutigen Stadtamt.
Zur Bereicherung der Sammlung und zur Schaffung einer Verbindung zwischen dem Museum und der Gemeinde, veröffentlichte die Gemeindeverwaltung im Gemeindebrief Nr. 1 vom 12. Januar 1959 einen Aufruf zur Spende von historischen Gegenständen. Die Bürgerinnen und Bürger wurden ermutigt, wertvolle, lokalgeschichtlich bedeutende Objekte wie Fotografien, Hauszeichen, alte Gebetbücher, Anfangsstadien von Radioapparaten, Keramiken und weitere historische Alltagsgegenstände für das Museum zur Verfügung zu stellen. Des Weiteren wurden spezifische Gegenstände aus den Zeiten der Weltkriege sowie persönliche Erinnerungsstücke bedeutender Persönlichkeiten aus Deutsch-Wagram erbeten. Die Entscheidung über die Eignung der Gegenstände für das Museum lag bei Prof. Otto Schilder und Volksschuldirektor Otto Lutzky.
Die Eröffnungsfeier des Museums war ein bedeutendes Ereignis im Jahre 1959. Pfarrer Josef Ruzek segnete das Gebäude während der 700-Jahr-Feier. Die Feierlichkeit wurde durch die Anwesenheit mehrerer Ehrengäste wie Rudolf Schilder, Ernst Krbetz, Pfarrer Josef Ruzek, Otto Hübner, Bürgermeister Karl Stibernitz, Messner Jakob Hofer und Erwin Lichtblau gewürdigt. Ihre Teilnahme unterstreicht die Bedeutung des Museums als kulturelles Zentrum und Bewahrer lokaler Geschichte.
Die Eröffnung des Heimatmuseums 1959 in der Bahnhofstraße anlässlich der 700-Jahr-Feier von Deutsch-Wagram mit Gründer des Museums SR Prof. Otto Schilder und seinem Bruder OStR Mag. Rudolf Schilder. Heute befindet sich an dieser Stelle das Stadtamt. (Foto 1: © Werner Wach, Quelle: Topothek, Foto 2: © Werner Wach, Quelle: Topothek)
Das Erzherzog Carl-Haus in Deutsch-Wagram, ein historisches Gebäude an der Kreuzung der Angerer Bundesstraße (B8) und der Landesstraße 6, ist nicht nur ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ein Zeugnis der bewegten Geschichte. Bekannt als das Napoleon– und Stadtmuseum, bietet das Gebäude in der Erzherzog Carl-Straße 1 einen tiefen Einblick in die Vergangenheit. Im Jahre 1809, während des Feldzuges gegen Napoleon, wurde es zum Dreh- und Angelpunkt der Ereignisse, als es, wenn auch durch eine Reihe von Zufällen, zum Hauptquartier von Erzherzog Carl, dem österreichischen Oberbefehlshaber, wurde.
Porträt des Erzherzog Carl von Österreich (Ölgemälde, Foto: © Manfred Groß, Quelle: Napoleonmuseum Deutsch-Wagram)
Die Geschichte des Erzherzog Carl-Hauses ist geprägt von dramatischen Wendungen. Ursprünglich war das Hauptquartier im Haus Markgrafneusiedel Nr. 10 untergebracht, musste aber nach einem Brand am 2. Juni kurzfristig verlegt werden. Nach einem Zwischenstopp in Obersiebenbrunn erreichte der Stab am 3. Juni Deutsch-Wagram und bezog das Haus Nr. 2, welches bis zum Ende der Kampfhandlungen am 6. Juli als Hauptquartier diente.
Diese historische Bedeutung des Gebäudes wurde im Jahr 1960 mit der Unterschutzstellung als Denkmal gewürdigt. Heute erzählt das Erzherzog Carl-Haus als Museum die Geschichte jener Tage und der Stadt, eng verwoben mit dem Schicksal der Nation und dem Wirken eines bedeutenden Feldherrn.
Das Erzherzog Carl-Haus um 1940, Eigentümer Mathias und Elisabeth Bauer (Foto: © Anonym, Quelle: Topothek)
Die Erbauung des Hauses, eines der ältesten in Deutsch-Wagram, wird auf eine Zeit vor 1740 datiert, obwohl das genaue Baujahr unbekannt bleibt. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Gebäude, ursprünglich als “2-er Haus” bekannt (Konskriptionsnummer Nr. 2), verschiedene Adressänderungen entsprechend der städtischen Entwicklung und Straßenbenennungen. Erst nach 1959, im Zuge der Begradigung der Bundesstraße, erhielt es seinen heutigen Namen.
Bis Mitte der 1980er Jahre fristete das einstöckige Gebäude, lediglich durch ein Sgraffito von 1959 gekennzeichnet, ein Dasein im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit. In einem Zustand des Verfalls und weitgehend ungenutzt, war es in der lokalen Gemeinschaft eher als “Bauer-Haus” bekannt, benannt nach dem damaligen Besitzer.
Eine entscheidende Wende für das Gebäude und seine museale Bedeutung ereignete sich am 20. Dezember 1984, als der Architekt Hansjörg Schweinhammer das historische Anwesen erwarb. Mit umfassender Kenntnis der Schutzbestimmungen des Bundesdenkmalamtes begann er unverzüglich mit den Planungen zur Restaurierung des Gebäudes, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Erneuerung der Fassaden und Ansichten unter Berücksichtigung des historischen Charakters gelegt wurde.
Das desolate Erzherzog Carl-Haus um 1987, vor der Renovierung durch Architekt Hansjörg Schweinhammer (Foto: © Manfred Groß, Quelle: Topothek)
Um das geschichtsträchtige Bauwerk einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, schlug Schweinhammer der Stadtverwaltung vor, Teile des Hauses für museale Zwecke zu adaptieren. Dieser Vorschlag, der eine Nutzung der Räumlichkeiten für permanente und wechselnde Ausstellungen beinhaltete, fand am 14. November 1986 Zustimmung beim Stadtrat, vor allem, da im damaligen Heimatmuseum mehr Platz benötigt wurde und viele wertvolle Exponate nicht angemessen präsentiert werden konnten.
Die finanzielle Unterstützung für die umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde nach Einreichung eines detaillierten Kostenvoranschlags und eines Antrags auf Förderung aus Regionalisierungsmitteln im Oktober 1988 durch die NÖ Landesregierung zugesichert.
Mit dieser Unterstützung konnten die Adaptierungs- und Renovierungsarbeiten zügig voranschreiten. Dach, Schornsteine, Fassaden, Fenster und Türen wurden instand gesetzt oder erneuert, und die gesamte Elektroinstallation im Inneren des Gebäudes wurde ersetzt. Zudem wurden eine Zentralheizung, Alarm- und Sanitäranlagen installiert. Alle Räumlichkeiten erhielten einen strapazfähigen Steinfußboden und wurden mit viel Sorgfalt und Geschmack für ihre neue Bestimmung vorbereitet.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram, die ihre Gründung im Jahr 1987 feierte, startete ihre kulturelle Initiative mit der Schaffung eines Eisenbahnmuseums im ehemaligen Arbeiterwartesaal des historischen Bahnhofs Deutsch-Wagram. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses ersten Projektes, konzentrierte sich die Gesellschaft auf die Entwicklung eines neuen Heimatmuseums, lokalisiert im historischen Hauptquartier von Erzherzog Carl. Dieses ambitionierte Vorhaben fand seine Erfüllung am 2. Oktober 1993 mit der feierlichen Eröffnung des liebevoll restaurierten Erzherzog Carl-Hauses als Heimatmuseum, ein Anlass, der durch die Rede von Bürgermeister Hans Muzik vor einem großen Publikum gewürdigt wurde.
Das Museum, das damals als „Heimat- und Napoleonmuseum“ bezeichnet wurde, dient nicht nur als Bewahrer lokaler Geschichte, sondern erinnert seit 2007 auch in einem speziellen Gedenkraum an das Infanterieregiment Nr. 42. Die vielfältigen Ausstellungen des Museums geben Einblicke in das alltägliche Leben der Einwohner von Deutsch-Wagram und illustrieren durch eine reiche Sammlung die historischen Ereignisse der Schlacht von Wagram 1809. Neben der Präsentation historischer Gegenstände ist das Museum auch ein lebendiger Ort der Kultur, an dem regelmäßig Ausstellungen, Lesungen, Vernissagen und Konzerte stattfinden.
Von 1993 bis 2007 beherbergte das Museum die Österreichische Ordensgesellschaft, die für die Organisation zahlreicher Ausstellungen von Orden bekannt war. Ein besonderer Fokus des Museums liegt auf der Darstellung und Würdigung des 42. Infanterieregiments, das eine tiefe historische Verbindung zu Deutsch-Wagram hat. In diesem Zusammenhang ist auch das Blasorchester der Musikschule Deutsch-Wagram zu erwähnen, das seit 2003 in historischen Uniformen des Regiments gemäß der Adjustierungsvorschrift von 1910 auftritt.
Die geschichtliche Bedeutung des Regiments Nr. 42 wird durch die Ereignisse der Schlacht bei Wagram 1809 hervorgehoben, in der das Regiment unter schweren Verlusten die Truppen Napoleons erfolgreich abwehrte. Diese heroische Leistung wurde von Erzherzog Carl in einem Armeebefehl gewürdigt, in dem er dem Regiment das Privileg zusprach, künftig den Grenadiermarsch zu schlagen. Dieser Marsch, ursprünglich aus Trommelsignalen bestehend, wurde von Kapellmeister Franz Wiedemann als Wagramer Grenadiermarsch adaptiert und ist heute der Hausmarsch der Österreichischen Garde.
Das Erzherzog Carl-Haus ab 1993 (Foto: © Manfred Groß, Quelle: Topothek)
Bürgermeister Hans Muzik bei der Eröffnung des Erzherzog Carl-Hauses im Museumshof am 2. Oktober 1993 (Foto: © Manfred Groß, Quelle: Topothek)
Im Dezember 2023 erfolgte eine Neuausrichtung der Museumsgesellschaft mit der Wahl eines neuen Vorstands. Eine der wesentlichen Neuerungen ist der einheitliche Auftritt aller unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft stehenden Einrichtungen: Napoleonmuseum, Stadtmuseum, Eisenbahnmuseum und Stadtarchiv, die nun unter einem gemeinsamen Logo und einer einheitlichen Webadresse samt neuem Webauftritt präsentiert werden. Im Zuge dieser Neuausrichtung wurde das „Heimat- und Napoleonmuseum“ umbenannt in „Napoleon- und Stadtmuseum“, um eine ausgewogene Darstellung beider Aspekte – der napoleonischen Ära und der Stadtgeschichte von Deutsch-Wagram – stärker hervorzuheben.
Autoren: Christian Matula, in Zusammenarbeit mit Mag. Michael Wenzel und Ing. Manfred Groß
Foto © im Header: Manfred Groß, Quelle: Topothek
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